Kunst und Kultur am Ring          wels 2015

Als ich zur Veranstaltung "Kunst und Kultur am Ring" in Wels eingeladen wurde, war ich sehr aufgeregt. Nicht jeden Tag bekommt man die Möglichkeit im öffentlichen Raum zu arbeiten. Ich sah darin die Gelegenheit meine Familie und mich der Öffentlichkeit vorzustellen, also entschied ich mich für ein Familientriptychon. Außerdem schob ich das Portraitieren meiner Liebsten lang genug vor mir her. Der Rahmen der Veranstaltung war dafür wie geschaffen. Drei Bilder an drei Tagen klang für mich nach Plan. Nur welche Bilder sollte ich wählen? Sich mit sich selbst und den wichtigsten Menschen seines Lebens auseinander zu setzen, sie ehrlich darzustellen und gleichzeitig ihre Privatsphäre zu schützen war komplizierter als ich ursprünglich dachte. Ich schoss mehrere hundert Fotos, bevor ich passende Vorlagen hatte. Was die Stempelabdrücke betraf, stellte ich mir die Frage: "Wie weit fällt der Apfel vom Stamm?" Jeder von uns ist eigen und unverwechselbar, aber es gibt auch einige Parallelen. So finden sich die Worte und Bilder, die meine Gattin Magdalena oder mich beschreiben im Portrait meiner Tochter Josefine wieder.

Arbeiten in der Öffentlichkeit impliziert den Dialog mit den Zuschauern. Ich hatte bei der Veranstaltung einige fantastische Gespräche, die mir die Möglichkeit gaben, die Hintergründe meiner Arbeit vorzustellen. Unter anderem besuchte mich die ganze Schulklasse meiner Tochter, was mich natürlich mit enormem Stolz erfüllte - vor allem, weil Josefine einige Stempel für dieses Projekt entwarf. Aber beim Reden vergeht die Zeit schnell und so hatte ich am Ende des dritten Veranstaltungstages nur zweieinhalb fertige Bilder. Das dritte Bild, das unvollständige Portrait meiner Tochter, stellte ich zu Hause auf und ließ es für einige Tage ruhen. Eines Tages kam Josefine aus der Schule, rannte in mein Arbeitszimmer, schaute sich das Bild an und sagte zu mir: "Papa! Du hast schon wieder nichts gemacht! Wann wird es endlich fertig?!" Wie kann ein Vater einem so formulierten Wunsch des eigenen Kindes widerstehen? Am nächsten Tag nahm ich die Arbeit wieder auf und vollendete das Portrait gerade rechtzeitig für eine Ausstellung in Salzburg. Was wären wir ohne unsere Kinder?